Nairobi, Kenia
Hilfe für Straßenkinder durch Musik und Kunst

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Mehr als 100.000 Kinder leben in der kenianischen Hauptstadt Nairobi auf der Straße. Viele von ihnen haben ihre Eltern durch HIV / Aids verloren, andere wurden missbraucht oder von ihren Familien verlassen. Wieder andere haben die Schule abgebrochen, um Geld zu verdienen. Viele leben auf Mülldeponien und von dem, was sie dort finden. Das AMREF-Projekt „Child in Need“ („Kind in Not“) im Stadtteil Dagoretti kümmert sich um Straßenkinder.

Die Kinder erhalten dort medizinische Versorgung, Nahrung, Unterkunft und Schulbildung – aber auch Unterricht in künstlerischen Fertigkeiten wie Musik machen, Filme drehen oder Theater spielen.

Künstlerische und kulturelle Erfahrungen ermöglichen hier pädagogische Rehabilitation und Integration. Die Kinder entwickeln wichtige soziale Fähigkeiten, Selbstbewusstsein sowie Stolz auf die eigenen beachtlichen Leistungen und die ihrer Dagoretti-Gruppen: Aus Trommelkursen beispielsweise sind die „Juakali Drummers“ entstanden, aus dem Gesangsunterricht die „Malkia Girls“, und die Theatergruppe inszenierte „The Black Pinocchio“. Diese Gruppen haben bereits umjubelte Gastspiele gegeben, etwa in Italien beim Perugia-Jazzfestival.

Was AMREF in Kenia konkret leistet

Mit finanzieller Unterstützung der Haberger-Stiftung fördert AMREF Deutschland die soziale und gesundheitliche Rehabilitation von Straßenkindern in dem von AMREF Italien initiierten Zentrum „Child in Need“. Treffen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen Kinder auf der Straße, laden sie sie ins Zentrum ein, wo sie versorgt werden und an verschiedensten Freizeitaktivitäten teilnehmen können.

Das hat AMREF in Dagoretti bereits erreicht:

  • Mehr als 300 Kindern wurden Bildungschancen eröffnet und rund 100 erhielten eine Berufsausbildung.
  • Der gesundheitliche und soziale Status der Kinder vor Ort hat sich deutlich verbessert: Mehr als 500 haben nun Zugang zu medizinischer Versorgung und Gesundheitserziehung.
  • 20 Talentklubs wurden eingerichtet.
  • Das gesellschaftliche Engagement für Rechte und Wohlergehen von Kindern ist deutlich gestiegen.

Permanenter Teil des Programms ist seit 2005 auch ein Musikprojekt. Aus ihm wurden 20 Kinder ohne musikalische Vorbildung ausgewählt. Durch musikalische Spiele lernten sie, sich in der Gruppe rücksichtsvoll zu verhalten und sich kreativ auszudrücken. Sie bauten selbst Instrumente und erlernten musikalische Grundlagen, Spieltechniken und erste Stücke. Hinzu kamen Energie- und Gruppenübungen sowie Trainings zu beispielsweise Atemtechniken und musikalischer Gehörbildung. So entstand Schritt für Schritt die Musikgruppe „Juakali Drummers“ und deren große Show namens „Ngoma Mtaani“ („Rhythmus des Slums“), die 2008 in Nairobi Premiere hatte und seitdem wie andere aus dem Programm hervorgegangene Produktionen tourt.

Die jungen Künstlerinnen und Künstler sind zu Vorbildern für viele andere Mädchen und Jungen geworden, die ihre Auftritte mit Bewunderung verfolgen.

Um von einer Generation zur nächsten weiterzureichen, was die „Juakali Drummers“ gelernt haben, wurde 2008 eine neue Gruppe aus 23 Kindern zwischen 5 und 12 Jahren gebildet, die von älteren Mitgliedern der „Drummers“ unterrichtet werden.

Der frühere Fundraiser von AMREF UK, Craig Pollard, besuchte 2012 bei einer Radtour von London bis Kapstadt mit seinem Team auch das Projekt in Dagoretti, an dem er früher mitgearbeitet hat. Er sagte:

„Das Projekt ist in relativ kurzer Zeit sehr weit gekommen. Die Einrichtungen und die Beziehung zu den Menschen vor Ort sind wirklich beeindruckend und zeugen von der harten Arbeit, die aus einem kleinen Straßenkinder-Projekt ein Best-Practice-Modell gemacht hat, das sich andere Straßenkinder-Projekte zum Vorbild nehmen können.“